Kleinkunstpreis 2017 in Biberach verliehen

14.09.2017

Baden-Württembergische Kleinkunst begeistert


Es war ein schöner Abend. Nicht das Publikum in Stuttgart, Freiburg, Mannheim oder Karlsruhe – den Metropolen des Landes, sondern der oberschwäbische Zuschauer in der fast ausverkauften Biberacher Stadthalle kam in den Genuss der aktuellen baden-württembergischen Kleinkunst. Und das Publikum geizte nicht mit des Künstlers Brot, dem Applaus und auch nicht mit Lachern – meist an der richtigen Stelle. Kultur hat eben schon seit jeher einen großen Stellenwert in und um Biberach. Das wusste wohl auch Bernd Kohlhepp. Der Preisträger von 2015 moderierte die Veranstaltung mit sehr viel Esprit, Charme und Wortwitz. Schon allein wegen Kohlhepp hatte sich das Kommen gelohnt.

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Der mit 5000 Euro dotierte Ehrenpreis des Abends ging an den Kabarettisten Uli Keuler aus Kirchheim/Teck. Keuler, der schon seit den 1970er Jahren auf den eher kleinen Bühnen der Republik steht, erzählte wie immer Alltagsgeschichten. Von seinem 21-jährigen Sohn etwa, der allein auf einem Ausflug war und sich seit sechs Stunden nicht gemeldet habe oder von Szenen einer Ehe, wie sie (fast) jeder schon erlebt haben dürfte. Der Ehrenpreis wurde 2017 zum achten Mal verliehen. Er wird von Lotto Baden-Württemberg gestiftet. Mit ihm sollen Persönlichkeiten ausgezeichnet werden, die sich um die Kleinkunst im Land verdient gemacht haben. Keuler sei seinen Figuren und ihrer Welt bis heute treu geblieben, so die Jury. Der 64jährige Schwabe zeige Alltagsbilder, in denen sich das Publikum bei aller Skurrilität mühelos wiederfinde. „Keuler, das ist Sprachwitz auf höchstem Niveau. Egal ob Gedicht, Prosa, Witz, Poesie oder Rap. Die Jury ist sich einig, da kann einer was, was kein anderer so kann“, so Lothar Hasl (Hauptabteilungsleiter SWR-Kommunikation) in seiner Laudatio.


Der Kleinkunstpreis Baden-Württemberg ist im Übrigen der einzige Landespreis für Kleinkunst in Deutschland. Andere Bundesländer leisten sich den nicht. Nicht wenige der bislang ausgezeichneten Künstler, unter ihnen Rolf Miller, Bülent Ceylan und Florian Schröder, konnten den Preis als Sprungbrett in eine na- tionale Karriere nutzen. Ähnliches könne man auch von den diesjährigen Preisträgern erwarten, wenn sie sie nicht schon gemacht haben. Der Hauptpreis ging in diesem Jahr an Werner Koczwara, Michael Krebs und Ulrich Michael Heissig. Besonders Heissig begeisterte das Biberacher Publikum in seiner Rolle als Irmgard Knef, der fiktiven Zwillingsschwester von Hildegard Knef. Im Sprachduktus der Knef gab Heissig seine Sicht der Dinge zum Besten, auch in einer Hommage an Biberach, das eben eine ganz besondere Stadt sei.


Werner Koczwara beeindruckte einmal mehr mit Geschichten aus dem Juristendschungel, die wohlgemerkt nicht erfunden, sondern tatsächlich so in deutschen Gesetzbüchern stehen oder vor deutschen Gerichten verhandelt wurden.


Seit mehr als 30 Jahren steht der Gmünder auf der Bühne. Michael Krebs ist in etwa so alt und stammt aus einem Dorf in Hohenlohe. Krebs ist Meister des Rock’n’Roll-Kabarett. Auch er schaut den Leuten aufs Maul, erzählt von seiner Freundin, die nicht alles an ihm gut finde und begleitete sich dabei am Klavier oder mit der Gitarre.


Schon beim Nachwuchspreis hatten die Gäste sehr viel Spaß, obgleich Preisträgerin Sarah Lesch krankheitsbedingt absagen musste. Mit seinem Talent, Texte so scharfsinnig und präzise vorzutragen, dass jedes Wort nachhallt, überzeugte Nektarios Vlachopoulos die Juroren und auch das Publikum. Der „Deutschlehrer mit griechischem Integrationshintergrund“ präsentier sich als Slampoet und Humorist, bei dem jedem jedes Wort passte und der zur Höchstgeschwindigkeit auflief, ohne den Scharfsinn zu verlieren.


So fand auch Kulturstaatssekretärin Petra Olschwowski, die auf der Durchreise von Stuttgart zu einer Ausstellungs- eröffnung in Lettland kurz in Biberach Station machte, nur lobende Worte: „Der Kleinkunstpreis Baden-Württemberg spiegelt die große Vielfalt, experimentelle Offenheit und Aktualität der Kleinkunstszene im Land wider. Sie ist ein wertvoller Bestandteil unserer Kulturszene.“ Sprach‘s und zog wieder von dannen. Bernd Kohlhepp würdigte dies auf seine Weise: „Kulturschaffende sind eben immer unterwegs.“ mm


Fotos: Christoph Schneider 

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