9. Ulmer Bildungsmesse

17.04.2018

Plädoyer für ein Erfolgsmodell


Mit der inzwischen 9. Auflage hat die Ulmer Bildungsmesse zwar Tradition und eine gewisse Routine, aber die Vorzeichen ändern sich und erfordern Anpassungen. Nicht anders bei der Bildungsmesse 2018, einer Kooperation der Stadt Ulm und der IHK Ulm, die mit 280 Ausstellern und über 1.000 Bildungsangeboten vom 22. bis 24. Februar in der Ulmer Donauhalle stattfand.

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Die berufliche Bildung stand im Mittelpunkt und stellte damit die Weichen für eine Kurskorrektur. Gespräche vor Ort, Informationen, Vorträge und Praktikumsangebote gaben Orientierungshilfen in einem Umfeld, das von zunehmendem Fachkräftemangel geprägt ist.


Für Schüler der Abschlussklassen ist die Bildungsmesse Teil der von den Schulen angebotenen beruflichen Orientierung, und nicht erst in diesem Jahr zeigte sich, dass Angebot und Nachfrage derzeit nicht zusammenpassen. In den Ausbildungsbetrieben der Region wird händeringend nach zukünftigen Fachkräften gesucht.


Michael Kleiner, Ministerialdirektor im Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau, gab in seinen Grußworten bei der Eröffnung der Messe einen kurzen Überblick über den Arbeits- und Ausbildungsmarkt und stellte Maßnahmen zur Korrektur vergangener Fehlentwicklungen vor. Zu erläutern, was genau damit gemeint ist, überließ er Professor Dr. Dr. h. c. Julian Nida-Rümelin, dessen Gastvortrag mit dem Titel „Zur Zukunft der beruflichen und akademischen Bildung“ genau diese Fehlentwicklung thematisierte. Professor Nida-Rümelin lehrt an der Ludwig-Maximilian-Universität München Philosophie und politische Theorie, war zwei Jahre Kulturstaatsminister unter Gerhard Schröder und gilt als Verfechter eines differenzierten 
Bildungssystems.


„Der Fachkräftemangel ist kein Akademikermangel.“ Diese These stellte er an den Anfang seiner unterhaltsamen und nachvollziehbaren Ausführungen, in denen er für ein Bildungssystem plädierte, das sich konsequent an der Vielfalt von Begabungen, Interessen, Berufs- und Lebenswegen orientiert. „Die falsch verstandene Globalisierung der Bildung hat zu einer Fehlentwicklung geführt. Die Stärken des deutschen Bildungssystems sind die hervorragende universitäre Bildung und die duale berufliche Ausbildung. Beides muss in seiner Qualität erhalten bleiben. Das ist unser Erfolgsmodell und da müssen wir die Schwerpunkte setzen: Beruf-
liche und akademische Bildung sind unterschiedliche, aber gleichwertige Wege mit dem Ziel, jeden nach seinen Fähigkeiten zu bilden. Das Spektrum individueller Stärken muss sich in der Ausbildung abbilden und Leistungsdenken auf der Basis vieler Angebote schafft eine Art Chancengleichheit. Berufliche Perspektiven gibt es nicht nur mit Abitur und Studium“ verwies Nida-Rümelin auf das Überangebot in manchen akademischen Berufen.


Die zunehmende Quote der Studienabbrüche sei ein weiterer Indikator für die Fehleinschätzung, dass eine Karriere nur mit Studium möglich sei. In Hinblick auf die Qualität der Ausbildung forderte Nida-Rümelin mehr Allgemeinbildung, die Förderung von Englisch als Gebrauchssprache und mehr Digitalisierung. Letzteres nutze der Professor, um den Kreis zu schließen und seine Rede zu beenden: je digitaler die Technik, desto störungsanfälliger ist sie – ergo, wir brauchen Techniker!


Zur Eröffnungsveranstaltung am Morgen des ersten Messetages begrüßte Bürgermeisterin Iris Mann Vertreter der Arbeitgeberverbände, der Landes- und Kommunalpolitik, der Kammern, der Universität, der Hochschulen, der Unternehmen und der Wirtschaft. Sie bezeichnete die Messe als „kundenorientiert“ und nahm damit den roten Faden auf, der sich durch alle Reden zog. Auch IHK Präsident Dr. Peter Kulitz führte ihn in seinen abschließenden Worten fort und eröffnete die Messe mit der Forderung nach früh ansetzender Bildung, und verwies auf die differenzierten Möglichkeiten in der Aus-und Weiterbildung, die den Qualifikationen jedes Einzelnen gerecht werden. sba


Fotos: Sigrid Balke, IHK Ulm

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