Ressource WASSER

27.06.2018

Knapp und konfliktreich


Für etliche Ressourcen gibt es Alternativen – für Wasser gibt es die nicht. Anders als fossile Brennstoffe, Mineralerze oder Holz, bei denen es sich ökonomisch lohnt, sie auch aus weit entfernten Ländern zu importieren, ist das bei Wasser nur dann sinnvoll, wenn der Transport klimaneutral möglich ist. Wasserist überwiegend eine lokale Ressource -Verknappung wird daher zu einem Problem.

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Weniger als ein Prozent des weltweiten Wasservorkommens von insgesamt ca. 1,4 Milliarden Kubikkilometer ist trinkbar und verfügbar. Der Rest - 97 Prozent - ist Salzwasser und befindet sich in den Ozeanen. Weitere 1,6 Prozent befinden sich in den Polarkappen, Gletschern und Permafrostregionen. Die erneuerbaren Frischwasserressourcen der Welt sind auf rund 43.000 Milliarden Kubikmeter pro Jahr begrenzt. Durch ein zunehmendes Bevölkerungswachstum, wirtschaftliche Expansion und einen steigenden Bedarf für Produktion, Energie und Lebensmittelherstellung steigt der Wasserverbrauch dramatisch. Eine Milliarde Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser.


Das Angebot und die Qualität von Wasser nehmen drastisch ab und die Ära der „unbegrenzten“ Verfügbarkeit von Wasser scheint vorbei zu sein. Anleger und globale Konzerne betrachten Wasser mittlerweile als Spekulationsobjekt. Die weltweite Vermarktung der lebensnotwendigen Ressource Wasser wächst – das Wachstum der Mineralwasserindustrie seit den 1990ern bestätigt den Prozess der Kommerzialisierung.


Die Wasserknappheit wird sich nicht nur verschärfen und ausbreiten, die Verbraucher werden auch immer mehr für Wasser bezahlen müssen. Dieses doppelte Problem kann nur durch innovatives Wassermanagement, Wasserschutz und durch die Entwicklung nicht traditioneller Quellen gemindert werden. Die Aufbereitung von Abwasser nach einer chemischen Behandlung, oder die Entsalzung von Meerwasser oder salzhaltigem Wasser in großen Anlagen sind erprobte Optionen.


Die bereits wassergefährdeten Länder erstrecken sich von Südkorea und Indien bis Ägypten, Israel, Afrika und Teile Asiens. Sie zahlen einen hohen Preis für ihre Wasserprobleme. Das Wettbauen von Dämmen, ähnlich dem Wettrüsten, hat sich in einigen Regionen zu einem geopolitischen Problem entwickelt. Bei 263 grenzüberschreitenden Flüssen und 300 von mehreren Ländern genutzten großen Grundwasservorkommen geht es zunehmend um die Art und Weise der Ressourcennutzung und die Sicherung möglichst vieler Wasserrechte. Um die wirtschaftliche Triebkraft der Welt zu bleiben und Konflikte um Wasser zu vermeiden, müssen die Länder Wege einer gerechten Verteilung finden. Am 28. Juli 2010 hat die Generalversammlung der Vereinten Nationen mit der Resolution 64/292 das Recht auf Wasser als Menschenrecht anerkannt. sba


 


TOP Magazin Redakteurin Sigrid Balke sprach im Anschluss an das 15. braun-steine-Symposium Ende April mit Prof. Dr. Dr. Dr. h.c. Franz Josef Radermacher, der in seinem Vortrag „Energie und Klima – Was kommt auf uns zu?“ auch zur Ressource Wasser einiges zu sagen hatte:


Die Verteilung und der Besitz von Wasser werden zu einem Problem, aber es gibt Lösungen. Israel ist Vorreiter in einem ökonomischen und ökologischen Wassermanagement und in der klimaneutralen Aufbereitung von Salzwasser. Im Marshallplan Afrika haben wir diese Konzepte
teilweise übernommen, um die Produktivität in der Landwirtschaft deutlich zu steigern und der jährlichen, 10 Mio. Hektar betragenden Versandung durch die Wüsten etwas entgegen zu setzen.


Ziel sollte eine landwirtschaftliche Produktion sein, die die zunehmende Bevölkerung in Afrika ernährt und es langfristig ermöglicht, Nahrungsmittel zu exportieren. Es gibt in Afrika riesige Flächen und ausreichend Grundwasser, das allerdings nur nach entsprechender Entsalzung genutzt werden kann. Da braucht es private Investoren, für die die Politik stabile Rahmenbedingungen schaffen muss. Die weltweite Entwicklungshilfe in Höhe von 160 Mrd. Dollar benötigt pro Jahr weitere 500 Mrd. Dollar, um das Konzept bis 2050 flächendeckend umzusetzen. Als Anreiz für private Initiativen muss der Handel mit Zertifikaten toleriert werden. Der meist negativ als „Ablasshandel“ bezeichnete Austausch bringt uns in Hinblick auf die angestrebte CO2 Reduzierung global gesehen deutlich weiter.


Zum Konzept des Marshallplans gehört auch Humusaufbau aus Pflanzen- und Holzresten. Die werden bisher einfach verbrannt - mit den entsprechenden CO2 Emissionen. Durch ein erprobtes Pyrolyseverfahren können diese Pflanzenreste jedoch zu hochwertigem Humus werden, der nicht nur den Boden verbessert und zur Produktivitätssteigerung beiträgt, sondern auch 80 Prozent schädliches Kohlendioxid aus der Atmosphäre absorbiert. Die CO2 Reduzierung ist entscheidend für die Zukunft, denn Klima ist mehr als Umwelt. Klima bestimmt über Geopolitik, Macht, Besitz, Wohlstand, Wirtschaftskraft und soziale Balance.


Der Marshallplan ist eine Initiative des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung unterstützt von Wissenschaft und Wirtschaft, mit dem Ziel eines Paradigmenwechsels. Afrika ist nicht länger das Land billiger Ressourcen, sondern benötigt Infrastruktur und Zukunftsperspektiven.


Wasser-App „Eye on Water“
Mit der App „Eye on Water“ werden Laien zu „Wissenschaftlern“, die zusammen mit den Meeresbiologen der Universitäten Amsterdam und Oldenburg zur Gewässererforschung beitragen.
Wer über die App-Kamera ein Foto von der Nord- oder Ostsee, dem Atlantik oder Pazifik mit Angabe des Standortes macht, kann dazu beitragen, den Zustand der Meere in Hinblick auf deren Zusammensetzung zu dokumentieren. Dazu gehören vor allem die Bestimmung der Farbe und der Klarheit. Beides wird von Wissenschaftlern seit langer Zeit dokumentiert. Dieser Datensatz kann über die App kontinuierlich ergänzt werdenund ermöglicht die Einschätzung der Wasserqualität. Die Ergebnisse sind auf der Projektseite in einer colour und einer clarity map einsehbar.


Fotos: Fotolia.de (nirutft, Calado, Bits and Splits, eevl) FAW/n /
Quelle: Brahma Chellaney, Professor of Strategic Studies am Centre for Policy in Neu-Delhi

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