Theaterei Herrlingen

26.09.2018

Start mit Charme, sehenswerten Stücken und neuen Formaten


Edith Ehrhardt strahlt. Offen zeigt sie ihre Freude über sechs Monate als Direktorin der Theaterei Herrlingen, fünf erfolgreiche Premieren und eine Entscheidung, die nicht ganz leicht, aber genau richtig war. 

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„Es war mutig, aber nicht übermütig“, beschreibt sie die Zusage an Wolfgang Schukraft, sein Lebenswerk in seinem Sinn, aber mit ihrer persönlichen Handschrift fortzuführen. Wolfgang Schukraft hat die Theaterei 1986 gegründet und als Theater-Prinzipal 31 Jahre lang geleitet. Die Herrlinger Bühne hat überregional einen Namen als anspruchsvolles, zugleich unterhaltendes Theater mit Schwerpunkt auf Klassikern und Literaturbearbeitungen. Eine unabhängige, gut eingeführte Bühne mit allen erdenklichen künstlerischen Freiheiten, mehreren Spielstätten und einer gut funktionierenden Basis von Mitarbeitern.


Schukrafts Anfrage kam für Edith Ehrhardt zwar überraschend, aber durchaus zur rechten Zeit. Nach Erfahrungen an kommunalen Theatern wie unter anderem in Esslingen, Saarbrücken, Stuttgart und Polen, hatte Edith Ehrhardt Lust auf Leitung oder zumindest auf berufliche Veränderung mit mehr Gestaltungsspielraum. „Die ersten Monate waren anstrengend, ungewohnt und stellten mich immer wieder vor neue Herausforderungen. Jetzt entwickeln sich Strukturen und ich bekomme eine gewisse Routine.“


Die ermöglicht es der Dramaturgin, Autorin und Regisseurin, die kommenden Spielzeiten zu planen, ihre Ideen zu konkretisieren und Neues zu wagen. Dass manches anders wird, war klar, denn der Fortbestand des Theaters ist auch an seine Wandlungsfähigkeit geknüpft. Unveränderbar ist für Edith Ehrhardt die besondere Atmosphäre, die Mischung aus Anspruch und Unterhaltung, Tiefgang und Humor. Das zeichnet die Theaterei aus, dazu die Intimität des Theaterraumes und ein neugieriges, aufgeschlossenes Publikum. „Zu sehen, wie die Stücke die Zuschauer berühren und begeistern, ist ein wunderbarer Moment am Ende jeder Vorstellung“, freut sich Edith Ehrhardt über die positive Resonanz auf den von ihr ausgewählten Spielplan. „Es ist mir gelungen, das Publikum abzuholen, jetzt möchte ich die Zuschauer mitnehmen, neue gewinnen und mit einem Jugendprogramm und Stücken, deren Themen auch ein jüngeres Publikum ansprechen, eine tragfähige „Durchmischung“ erreichen.“ Für die Umsetzung ihrer Pläne werden Charakterdarsteller des Ulmer Theaters das Ensemble ergänzen, es werden mehr Musiker und auch mediale Inszenierungen zum Einsatz kommen.


Die alle zwei bis drei Wochen stattfindende Matinee hat Edith Ehrhardt mit der Übernahme des Theaters als neues Format eingeführt, und es hat sich bereits bewährt. Den Theatervormittag dann mit kulinarischen Genüssen im Gasthaus Rössle abzuschließen, ist für das Publikum ein beliebter Start in den Sonntagnachmittag. Den idyllischen Innenhof der Theaterei zu bespielen, ist in dieser Saison noch Zukunftsmusik, aber es steht auf der Agenda von Edith Ehrhardt, die sie nach und nach umsetzen wird. Ebenso wie ein Stück, das sie ihrem Mann, dem Schauspieler Frank Ehrhardt, auf den Leib schreiben und für die Theaterei inszenieren wird. Trotz der zahlreichen Aufgaben als Theaterdirektorin führt sie ihre Autorentätigkeit fort. Ab November wird in Erfurt ihre Bühnenfassung des Schauspiels Aladin und die Wunderlampe aufgeführt.


Ehrhardt, eine renommierte Bühnenautorin mit Liebe zur Literatur, ist in der Region keine Unbekannte. Sie war von 1999 bis 2002 Regieassistentin am Theater Ulm und erhielt für ihre Inszenierung von Roland Topors „Ein Winter unterm Tisch“ im Podium den Förderpreis „Junge Künstler“ der Stadt Ulm.   sba



Foto: Sigrid Balke