Ein Fest für Naschkatzen

15.01.2020

Internationale Weihnachtsspezialitäten


Süßer die Glocken nie klingen… Plätzchenliebhaber sollten zur Weihnachtszeit einen Blick über den Tellerrand wagen. In unseren Nachbarländern wird groß aufgetischt: Torrone, Bûche de Noël, Melomakarona und Plumpudding können auch uns die kalte Jahreszeit schmackhafter machen.

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Was wir uns nur zu Weihnachten gönnen, wird andernorts das ganze Jahr über verspeist. Die Tea-Time ist fester Bestandteil des britischen Lifestyles. Neben Sandwiches werden dazu Früchtebrot, Teekuchen, Scones und Gebäck gereicht. Als ehemalige Kolonialmacht hatten die Briten schon früh Zugriff auf exotische Gewürze wie Kardamom, Ingwer oder Muskat. Englisches Gebäck schmeckt daher sehr vielseitig. Lassen Sie sich von Orangen-Mohn-Shortbread betören oder verpassen Sie Plätzchen dank Lemon Curd-Creme oder Earl-Grey-Gelee einen exklusiven Schliff.



Großbritannien: Christmas Pudding – hochprozentiger Genuss


Highlight und fester Bestandteil des Weihnachtsfestes ist der Christmas Pudding, auch bekannt als Plumpudding. Selbst Charles Dickens erwähnt ihn in seiner Weihnachtsgeschichte. Traditionsbewusste Briten bereiten den Pudding bereits am 1. Advent zu. Bis Weihnachten lässt man ihn durchziehen, bevor er am 25. Dezember mit Rum übergossen und vor versammelter Familie flambiert wird. Das Feuer soll die Passion Christi verdeutlichen. Ursprünglich wurde der Plumpudding aus 13 Zutaten hergestellt, stellvertretend für Jesus und die zwölf Apostel.


Gut zu wissen: Im 14. Jahrhundert bestand der Plumpudding aus herzhaften Zutaten wie Rindfleisch, ab dem 19. Jahrhundert setzte sich die süße Variante durch. Die meisten Rezepte enthalten keine Pflaumen. Denn als „plums“ wurden früher Trockenfrüchte im Allgemeinen bezeichnet. Einst wurde auch Bier hinzugegeben, heute wird Rum und Sherry bevorzugt. Die Konsistenz ähnelt übrigens eher einem Serviettenkloß als unserer Definition von Pudding.


Rezept: Je 200 Gramm getrocknete Aprikosen, Rosinen und Sultaninen in 120 ml süßem Sherry einlegen und durchziehen lassen. Wer es alkoholfrei bevorzugt, kann auf Orangensaft zurückgreifen. Danach je 50 Gramm Orangeat, Zitronat, Mehl und gemahlene Haselnüsse untermischen. Zwei Eier, 80 Gramm Pflanzenfett, 70 Gramm Semmelbrösel, 100 Gramm brauner Zucker oder Kokosblütenzucker, einen kleingeschnittenen Apfel sowie den Saft und die geriebene Schale einer Zitrone untermischen. Mit einem Teelöffel Zimt, einem halben Teelöffel gemahlener Nelken sowie etwas Muskat und Pfeffer abschmecken. Alles gut verrühren. Die Puddingform mit etwas Pflanzenfett und Semmelbröseln auskleiden, den Teig einfüllen und im Wasserbad drei Stunden lang kochen. Danach 5 Minuten ruhen lassen, aus der Form geben und auf einer Servierplatte anrichten. Mit vier Esslöffeln Rum übergießen und flambieren.


Tipp: Traditionell wird dazu Cognacbutter serviert. Dazu einfach 60 Gramm Butter mit der gleichen Menge Zucker vermischen und mit 2 Esslöffeln Rum abschmecken.



Italien: Torrone – ein (Nougat-) Traum in Weiß


Zur Weihnachtszeit verfällt ganz Italien ins Backfieber. Jede Region hat ihre eigenen Spezialitäten. Sehr bekannt ist das Mailänder Panettone. Dieser äußerst saftige Kuchen wurde ursprünglich aus Weizensauerteig hergestellt und enthält allerlei Gewürze, Trockenfrüchte, Mandeln und Pistazien. Aus Ferrara stammt das von Mönchen kredenzte Pampepato (abgeleitet von „pan del papa“, also Brot des Papstes), bei dem Zartbitterschokolade und Nüsse den Geschmack bestimmen. Im Latium werden klassische Pangiallo Romano bevorzugt, deren Entstehung bis zur Kaiserzeit zurückreicht. Die goldfarbenen Kekse symbolisierten die Rückkehr des Himmelskörpers nach der Wintersonnenwende. Auf Sizilien wird Buccellato verköstigt – ein Mürbeteig-Ring mit Feigen, Walnüssen und Orangen. Überall in Italien hat sich Torrone als Lieblingssüßigkeit etabliert. Der weiße Nougat ist so beliebt, dass er ganzjährig als Dolce zum Espresso genascht wird. Auch in Spanien wird das süße Vergnügen als Turrón geschätzt.


Rezept: Sie benötigen 500 Gramm Mandeln, 200 Gramm Pistazien (alternativ Haselnüsse), 400 ml Honig, 300 Gramm Zucker, 2 Eiweiße, einen Teelöffel Vanilleextrakt, 2 Teelöffel geriebene Zitronenschale sowie Oblaten. Zuerst Mandeln etwa fünf Minuten kochen, abschrecken, häuten. Im Backofen bei 180 Grad rösten. Honig erhitzen, Zucker hinzugeben, Temperatur auf 150 Grad erhöhen, bis der Zucker ganz geschmolzen ist. Steifgeschlagenes Eiweiß unterrühren bis die Masse eindickt und am Löffel kleben bleibt. Vanille, Zitronenschale, Mandeln und Pistazien hinzugeben. Masse abkühlen lassen und dann etwa daumendick auf den Oblaten ausstreichen. Mit einer weiteren Schicht Oblaten bedecken, am besten über Nacht vollends auskühlen lassen und am nächsten Tag in kleine Scheiben schneiden.



Island: Laufabrauð – das Schneeflockenbrot


Der Teig ist schlicht, die Optik umwerfend schön. Aus wenigen Zutaten wie Mehl, Milch, Zucker und Backpulver wird ein Teig erstellt und hauchdünn ausgerollt. Hauchdünn bedeutet, dass die Buchstaben einer Zeitung unter dem Teig sichtbar sein sollten! Dann beginnt der eigentliche Kunstgriff: Mit speziellen Messern oder Stanzrollern werden filigrane Muster in den Teig eingearbeitet, die an Schneeflocken oder Herbstlaub erinnern. Viele Familien haben eigene Muster, die sie von Generation zu Generation weitergeben. Abschließend wird das Laufabrauð in heißem Fett frittiert, bis es goldbraun glänzt. Die kleinen Kunstwerke sind zum Essen (fast) zu schade!
Spanien: Buñuelos – exotische Verwandlungskünstler


In Spanien werden vor allem Buñuelos aufgetischt, die an unsere Krapfen erinnern. Man genießt die frittierten Teigbällchen entweder pur, mit Fruchtfüllung oder Zuckerglasur. Die Bewohner Lateinamerikas übertreffen sich zum Fest der Liebe gegenseitig an kreativen Varianten. Auf Kuba werden Buñuelos mit Aniskaramell überzogen, in Mexiko mit Guavensirup getränkt. In Nicaragua bestehen sie aus Maniokmehl, während die Bewohner Uruguays Meeresalgen in den Teig mischen.



Frankreich: Bûche de Noël – essbares „Kaminholz“


Die Franzosen beweisen auch an Weihnachten ein stilsicheres Händchen. Die Schokoladen-Biskuitrolle hat die Form eines Holzscheits. Dies ist auf die Tradition des „Christklotzes“ zurückzuführen. Tagelang ließ man ein Holzscheit im Ofen brennen, zum Dank an die Wiedergeburt der Sonne nach der längsten Nacht des Jahres. Die Asche wurde anschließend auf den Feldern verteilt, was eine gute Ernte einbringen sollte. Zum Erzielen einer Kaminholz-Optik wird ein Biskuitteig mit einer Schokocreme bestrichen, eingerollt und zu einem Zylinder geformt. Zieht der Weihnachtsbäcker eine Gabel über die Glasur, entsteht dadurch eine rindenartige Struktur. Damit die „Jahresringe“ im Inneren sichtbar werden, schneidet man die Rolle auf einer Seite an. Espresso, Rum oder Kekse können die Grundrezeptur je nach Region entsprechend veredeln.



Schweiz: Tirgell – Kunst im Gebäck


In dieselbe Kategorie „zu schön zum Verzehr“ fällt das traditionelle Tirgell-Gebäck aus Zürich. Der Teig enthält etwa 30 Prozent Honig, ist auf der Oberseite dunkel und auf der Unterseite hell. So werden die reliefartigen Muster, die auf die Teigtaler eingestanzt werden, in dreidimen-
sionaler Optik sichtbar. Meist zeigen die Motive Zunftbetriebe, Familienwappen oder Züricher Sehenswürdigkeiten.



Griechenland: Melomakarona & Kourabiedes – exklusive Gaumenkitzel


Im orthodoxen Griechenland wird Weihnachten erst zu Beginn des neuen Jahres gefeiert. Dann aber im großen Stil. Auffallend sind die exklusiven Zutaten des Weihnachtsgebäcks. Kourabiedes heißen Mandelkekse, die mit einer sehr dicken Schicht Puderzucker ummantelt sind. Als Klebersubstanz dient edles Rosenwasser. Die Walnuss-Plätzchen Melomakarona werden mit einem Zimt-Orangen-Honig-Sirup getränkt. Besonderheit: Statt Butter wandert das „Gold des Südens“ in den Teig – auch bekannt als Olivenöl.



Skandinavien: Risamalande – Milchreis mit „Hygge“-Feeling


Der Mandel-Milchreis wird mit heißen Kirschen serviert. Das Besondere: Zwischen den gehackten Mandeln ist ein ganzes Exemplar versteckt. Wer dieses erhält, wird im neuen Jahr vom Glück begünstigt und hat einen Wunsch frei. Die Herausforderung besteht darin, das Dessert vorsichtig zu kauen, um die ganze von den zerhackten Mandeln zu unterscheiden, bevor man in sie hineinbeißt. Eine weitere „Slow Food“-Variante, die perfekt zur hyggeligen Gemütlichkeit Skandinaviens passt. dwi


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