Ulmer Ausnahmetalent: Ariane Müller

10.02.2020

Von „Sexueller Belustigung“ zur rockigen Silvester-Show


Ob Dürer, Beethoven oder Einstein – die wilde Künstlermähne ist ein Markenzeichen kreativer Genies und Querdenker. In diesen illustren Kreis reiht sich Ariane Müller nahtlos ein. Zum einen durch ihre hüftlange, blonde Wallemähne. Zum anderen stellt die Ulmerin immer wieder ihr Talent als Musikerin und Comedy-Queen unter Beweis. Resultate: ausverkaufte Hallen und mehrere Preise wie jüngst der im November gewonnene Deutsche Kleinstkunstpreis. 

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„Sexuelle Belustigung“ - der Name ist Programm. Davon konnten sich Mitte November rund 600 begeisterte Zuschauer in der voll besetzten Roxy Werkhalle überzeugen. Bei der dritten Tournee ihres Comedy-Duos „Suchtpotenzial“ handelt Ariane Müller menschliche Verstrickungen ab, sowohl in der Horizontalen als auch in der Vertikalen.


Begleitet wird sie von der Sängerin Julia Gámez Martin aus Berlin. Diese spielt in derselben Rapunzel-Liga, nur in brünetter Version. Musikalisch fahren die beiden große Geschützte auf:  Pop, Rock, Jazz, Musical, Oper, spanischer Flamenco. Zudem haben die Powerfrauen Tipps parat, wie sich Beziehungen im Zeitalter von #MeToo und Tinder stressfrei meistern lassen. Zum Beispiel über die (noch) fiktive Plattform mensharing.com, bei welcher die Talente von Männern im Freundinnenkreis geteilt werden können.


Made by Müller ist auch die „Payback-Methode“. Motto: Was du nicht willst, was man dir tu, das füge doch dem andern zu. Warum nicht mal nachts grundlos schreiend ins Kinderzimmer rennen? Warum nicht einen Besuch bei DHL zwischen 10 und 16 Uhr ankündigen und dann erst einen Tag später kommen? Das erfolgreiche Duo, das noch bis Mitte März quer durch Deutschland tourt, verarbeitet diese Tour-Eindrücke dialektisch und macht seinem Ärger über die ungleiche Bezahlung weiblicher Künstler durch Punkrock Luft. Dabei darf es eskalieren. Denn mit Ariane und Julia stehen sich Ulm und Berlin, Vegetarierin und Fleischesserin, Schwäbin und Spanierin gegenüber. Das birgt jede Menge Konfliktpotenzial beziehungsweise Comedy-Kracher. In einem Shitstorm-Blues kommentieren sie Hass-Kommentare, die ihnen im Netz entgegenschlugen. Wer Songs wie „Ficken für den Frieden“ zum Bestem gibt, muss wohl mit selbigen rechnen.


Doch wer ist die Frau, die polarisiert und amüsiert, schockt und rockt? „Haare, viele Tasten, flache Witze“, so charakterisiert die Ulmer Ausnahmekünstlerin sich selbst in wenigen Worten. Richtig ist, Ariane Müller beherrscht sowohl das Spiel auf dem Klavier und Keyboard, als auch auf der Gitarre. Müllers Pointen ähneln gutem Whisky. Zuerst herb im Geschmack, entfalten sich die fein(sinnig)en Hintergrundnuancen im Abgang.



Es gehört sprachliches Geschick dazu, die Doppeldeutigkeit von Intoleranz und Shitstorm auf Laktose zu übertragen. Allein mit Suchtpotenzial hat die Ulmer Kabarettistin nach dem Baden-Württemberger und Thüringer nun auch den Deutschen Kleinstkunstpreis gewonnen. Begründung der Jury: „Suchtpotenzial singen dem Sexismus den Kampf an.“


Daneben ist die studierte Kultur- und Sozialwissenschaftlerin ein festes Urgestein der Ulmer Kulturszene. Sie ist Gründungsmitglied der Theaterbastion, wo regelmäßig „Wine & Jam“-Sessions stattfinden. Ihr selbst geschriebenes Weihnachtsstück „Frohes Fest AG“ sowie die letztjährige „X-mas Surprise Show“ mit Musicalstar Henrik Wager verströmten die passenden Klänge zum Fest der Liebe. Für das Theater Ulm hat sie unter anderem die musikalische Leitung der Musicals „Hair“ und „The Rocky Horror Show“ übernommen.


2018 brachte sie hier die Deutschlandpremiere von „Rock of Ages“ auf die Bühne. Die Rockklassiker der späten 80er Jahre sorgten für Standing Ovations und wurden mit dem Medienpreis von Radio 7 als beste Liveshow des Jahres ausgezeichnet.Ariane Müller live zu erleben ist ein Muss. Auch im Netz kann man ihre Aktivitäten nachverfolgen. Unter www.muellerundmatzko.de gibt es aberwitzige Podcasts, während auf YouTube unter anderem Arianes „DonauPosts“ für das SR2 Kulturradio abrufbar sind.


Trotz ihres Erfolges ist die Ulmer Ausnahmekünstlerin fest in ihrer Heimat verwurzelt. „Je mehr ich unterwegs bin, desto besser gefällt es mir“, so Müller. Da sind die sympathischen Ulmer, die viel verrückter seien als gemeinhin angenommen. Plus die kurzen Wege, die Ariane am liebsten mit dem Fahrrad zurücklegt. Sowie all die schönen Ecken zum Entspannen. Nachdem sie zum Jahreswechsel mit ihrer Show „Silvester, Baby!“ das Publikum zum Eskalieren bringen will, steht das Thema „alles etwas entspannter angehen zu lassen“ ganz oben auf der Liste ihrer guten Vorsätze. So recht glauben mag man ihr nicht. Der Ulmer Tausendsassa in Sachen Kultur tüftelt bereits einige neue Projekte aus. Zudem ist mit ihren Töchtern Luisa und Isabel, die beide als Backgroundsängerinnen auftreten, bereits die nächste Generation Müller‘scher Frauenpower gesichert. Mit Rock‘n’Roll ins neue Jahr: „Silvester, Baby!“ Shows um 17 und 21 Uhr im Roxy Ulm. Unter anderem mit der Ariane Müller Band, Julia Gámez Martin von Suchtpotenzial, den Comedians Helge Thun und Ernst Mantel, Rock of Ages-Sänger Sascha Lien, Yasi Hofer an der Gitarre und den Müller Sisters im Background. dwi


Fotos: Matthias Müller

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