4. Ulmer Benzingespräche

30.01.2019

Unternehmen 4.0 --- Zwischen digital und lokal


Vom Internet der Dinge zum digitalen Storytelling: Wie positionieren sich regionale Unternehmen? Vier Vertreter aus den Bereichen Wirtschaft, Handel, Medien und Kultur haben darüber diskutiert. Heraus kamen interessante Ansätze.

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Auch diesmal lockte die einzigartige Kombination aus exklusivem Ambiente, Modenschau, Flying Dinner, Networking und Expertentalk zahlreiche Besucher zu den 4. Ulmer Benzingesprächen in die Oldtimerfabrik Classic Neu-Ulm. Veranstaltet wurde der Event wieder von der HypoVereinsbank, diesmal in Kooperation mit dem Ulmer Modehaus Reischmann und der „initiative.ulm.digital e.V“.


Schottische Mode-Ouvertüre
Wie Storytelling vor Ort funktioniert, zeigte der perfekt inszenierte Einstieg in den Abend. Ein Dudelsackspieler stimmte das Publikum auf die Modenschau von Reischmann ein. Dazu entstiegen die Models einem eleganten Oldtimer Rolls Royce, um das passende Modethema zu präsentieren: Glencheck! Das traditionelle Karomuster stammt aus den schottischen Highlands und ist von besonders edler Machart. Ein weiteres Modethema lautete „Vagabond“. Streetstyle-Einflüsse aus aller Welt manifestieren sich in Ethnomustern, kombiniert mit Felljacken oder Grobstrick. Abschließend folgten die Highlights der Herbstkollektion in den aktuellen Farben. Domenico Gehling, Regionalleiter der Sparte Private Banking bei der HypoVereinsbank, begrüßte die Gäste, führte gekonnt in das Thema ein und stellte Heribert Fritz vor, den Vorsitzenden der „initiative.ulm.digital e.V“. Deren Ziel ist es, junge Nachwuchstalente und digitale Macher in Ulm zu unterstützen. Fritz verwies auf Erfolge wie das erste daraus hervorgegangene Unternehmen „Citysens“, welches unter anderem Sensoren zum digitalen Ablesen von Wasser- und Stromzähler entwickelt. Dazu kommen die rund 250 Veranstaltungen zu Themen wie Fake News und digitale Sicherheit. Anne Gfrerer von der HypoVereinsbank moderierte den anschließenden Expertentalk. Fazit: Alle Befragten blicken trotz einiger Herausforderungen optimistisch in die Zukunft. Im Gespräch witzelte Stefan Kober von ALKO über „eine Gartenschere, die den Kalorienverbrauch misst“, machte aber deutlich, dass die Produkte seines Unternehmens aus den Bereichen Automotive, Luft- und Gartentechnik wie Rasenroboter in den nächsten Jahren komplett digitalisiert werden sollen. Zudem investiert die von ihm mit gegründete PRIMEPULSE SE gezielt in Unternehmen, die ein hohes digitales Wachstumspotential aufweisen und bietet dafür passende Netzwerke.


Kooperation statt Konkurrenz
Networking ist auch in den Medien angesagt. „Unsere Konkurrenten sind nicht andere Zeitungen, sondern Google und Facebook“, so Ulrich Becker, Chefredakteur der Südwest Presse. Daher ist die regionale Tageszeitung zum Beispiel eine Kooperation mit dem Magazin Fokus eingegangen und versorgt dieses mit lokalen Themen aus der Donaumetropole. Fest stehe: Ohne Onlinepräsenz geht es nicht, da vor allem das jüngere Lesepublikum kaum noch eine Zeitung in die Hand nehme. Einerseits biete die Digitalisierung Journalisten ganz neue Arten des Storytellings wie durch Videos, andererseits sei die Monetarisierung des Internetcontents ein großes Problem. Becker benannte zwei Lösungen: Fokussierung auf Lokales und auf Qualitätsjournalismus, der sich vom typischen „Copy-and-Paste“ Massencontent der Sozialen Medien abhebt. Usergenerierte Formate seien weitere Möglichkeiten, um Leser gezielt anzusprechen. Durch „Vibezz“ können sich 15-25-Jährige informieren, was in Ulm geboten ist, auf „Citystories“ stimmen User ab, über welche Themen die Redaktion berichten soll. Thomas Reischmann vom gleichnamigen Ulmer Modehaus benannte den Onlinehandel als eine weitere Tür, doch ein Internetshop sei mit großem Aufwand verbunden. „Der stationäre Handel bleibt unser Herzstück“, stellte Reischmann klar. Der Einzelhandel verleihe einer Stadt nicht nur ihr Gesicht, auch in punkto Beratung könne nichts ein persönliches Gespräch ersetzen. Ein ehrliches Feedback sowie die Frage „Wie möchte ich zu welchem Anlass wirken?“ machen eine individuelle Beratung aus. „Wir bieten Atmosphäre, ein Erlebnis und schieben nicht nur Waren über den Tisch.“


Kunstschätze sichtbar machen
Dr. Stefanie Dathe, Leiterin des Ulmer Museums, sieht in der Digitalisierung die Chance der Sichtbarmachung. „Rund 165.000 Objekte gehören zu unserem Bestand, von denen nur ein winziger Bruchteil im Museum ausgestellt werden kann.“ Das Internet könne diese Objekte weltweit zugänglich machen, zum Beispiel den Löwenmenschen, das wichtigste eiszeitliche Kunstwerk. „Wir sind kein verstaubtes Mausoleum, sondern wollen Geschichten aus der Vergangenheit erzählen.“ Die Digitalisierung biete neue Wege, um Themen der Zeit aufzugreifen und in einen historischen Kontext zu stellen. Gerade junge Menschen könnten dadurch mehr über sich selbst 
erfahren.


Authentische Begegnungen erwünscht
In der anschließenden Publikumsbefragung tat sich die Besorgnis auf, dass durch die Digitalisierung menschliche Werte und Kontakte verloren gehen. Dathe war sich sicher, dass ein Umdenken stattfindet. „Wir werden wieder das Echte suchen. Die Auseinandersetzung mit der Realität, mit persönlichen Begegnungen.“ Eine Chance zu solchen Begegnungen bot sich den rund 150 Gästen beim anschließenden Flying Dinner – doch zuvor eilte Oberbürgermeister Gunther Czisch von einem Termin für ein Grußwort herbei und stellte Ulm beste Zukunfts-Perspektiven in Aussicht, vor allem durch den großflächigen Ausbau des Glasfasernetzes. Während des anschließenden Netzwerkens fanden die Virtual Reality Brillen der HypoVereinsbank großen Zuspruch. Damit konnten die Gäste nicht nur durch die Bankzentrale in München wandeln, sondern auch auf Blumenwiesen relaxen und ins Weltall entschweben. Ein im wahrsten Sinne des Wortes eindrucksvoller Ausblick in die Zukunft.  dwi


Fotos: HypoVereinsbank

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