50 Jahre Wetterwarte Süd in Bad Schussenried

30.01.2019

Vom Wettervirus befallen


Es war schon ein besonderer Abend im Bierkrugstadel in Bad Schussenried. Besonders für die 300 Gäste, die zu Ehren des 50-jährigen Bestehens der Wetterwarte Süd gekommen waren, weil es gleich zu Beginn donnerte und blitzte.

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Ganz normal für Roland Roth. Der hat zwar viele Fähigkeiten, aber ein Gewitter machen kann auch der 64-Jährige nicht. Deshalb wurde das Unwetter auf die große Leinwand geworfen. Roth bekam dennoch feuchte Augen. Gewitter sind seine große Leidenschaft. Schon als kleines Kind war Roland Roth von Gewittern fasziniert. Dies weckte das große Interesse, sich immer mehr und intensiver mit dem Wetter zu beschäftigen.


Ein paar Jahre später, genauer gesagt 1968, gründete Roth als 13-Jähriger auf dem elterlichen Grundstück in Bad Schussenried die Wetterwarte. Tatkräftig unterstützt von seiner Mutter, die inzwischen auch vom Wettervirus befallen war und ihren Sohn mit minutiösen Aufzeichnungen unterstützte und verwöhnte. Der Vater wollte von dem „ganzen Firlefanz“ eher nichts wissen. Doch Roland Roth ließ sich nicht beirren und baute die Wetterstation Schritt für Schritt aus. Heute sind es mehr als 200 Mitarbeiter, die sich noch immer ehrenamtlich um die Wetterberichte kümmern. Und die sind wichtig in der Region. Vor allem für die Bauern und Festveranstalter. „Wir werden allerdings in Zukunft keine Wetterauskünfte mehr geben“, sagt Roth, weil sich der Ton massiv verschlechtert habe und weil die ehrenamtlichen Mitarbeiter die Flut von Anfragen nicht mehr leisten könnten. Auch ein Dankeschön käme den wenigsten noch über die Lippen. Insbesondere durch die sogenannten sozialen Netzwerke habe sich der Umgangston rapide verschärft. Da wäre es ja richtig harmlos gewesen, dass er immer als Wetterfrosch bezeichnet wurde, einen Begriff, den er bis heute gar nicht mag, so Roth.


1988 wurde aus der Wetterwarte Bad Schussenried die Wetterwarte Oberschwaben, seit 1. Januar 2004 firmiert sie als Wetterwarte Süd. Das Vorhersagegebiet reicht von Singen bis Augsburg und von Heidenheim bis Kempten. Grund genug zum Feiern. Mit vielen Gästen, Musik und Anekdoten. Der Ehrengast an diesem Abend war der ehemalige Biberacher Landrat Wilfried Steuer. Roth und Steuer verbindet eine ganz besondere Beziehung, wie sie mit typisch oberschwäbisch trockenem Humor auf der Bühne erzählten. Roth war in seiner Jugend, zusammen mit seinem Kumpel Oswald Metzger, ja eher eine „linke Socke“ und sich politisch mit dem konservativen CDU-Landrat nicht grün. Aber, und das betonten beide mehrfach, konnte man schon damals unterscheiden zwischen Politik und Mensch. Steuer war es damals, der dem Junglehrer Roth in Bad Schussenried an der Hauptschule zu einer Stelle verhalf. Damit konnte Roth seinem großen Hobby weiter frönen. „Wenn das nicht geklappt hätte, dass ich von Stuttgart wieder nach Schussenried komme, dann wäre es aus gewesen mit der Wetterwarte“, erinnert sich Roth. Bei Wilfried Steuer klang das so: „I han schon immer gwusst, was rechte Leit sind, die was schaffet.“ So konnte Roth ab 1986 wieder in seiner Heimatstadt unterrichten.


130 Niederschlagsstationen und 72 Wetterstationen gehören aktuell zur Wetterwarte Süd. Und ein Ende des Wachstums ist nicht abzusehen. Sein Traum sei es, dass irgendwann jede Gemeinde ihre eigene Wetterstation habe, in Zeiten des Klimawandels und häufiger Wetterextreme eine wichtige Anschaffung, so Roth. Das müsse das Ziel der Wetterwarte bleiben. Die Frage, ob die Wetterzentrale in Bad Schussenried bleibt, wurde noch nicht geklärt. Auch vielleicht deshalb bekam Roth am Festabend die garantierte Nachricht von Bad Schussenrieds Bürgermeister Achim Deinet, dass zum Jahresende Internet mit einer Geschwindigkeit von 150 Mbit/Sekunde zur Verfügung stünde. Für die Wetterwarte, bei der alles über den Computer läuft, eine notwendige und sehr positive Nachricht.


Wie lange er selbst noch weitermachen wolle, ließ Roland Roth ebenfalls offen. Die Suche nach einem Nachfolger habe allerdings schon begonnen. Doch Wehmut war nicht angesagt an diesem Abend. Roth und sein Team ließen sich zu Recht feiern. Zudem ließ es sich der Chef der Wetterwarte nicht nehmen, selbst zum Mikrofon zu greifen und mit der Band Cúl na Mara zwei Songs zu singen.


Roth hat eben viele Talente und vor allem auch ein offenes Ohr. Beifall erntete Roland Roth für die Bekanntmachung, dass das Buch, an dem er seit Jahren schreibt, nun tatsächlich im Januar 2019 erscheinen wird. Unmengen von Vorbestellungen lägen ja bereits vor. Und noch eine gute Nachricht gab es für alle Wetterfans: In Kürze soll es zusätzlich zur Internetseite auch eine Wetter-App geben. „Auch, wenn ich mich eine Zeitlang dagegen gewehrt habe, ist das der Lauf der Zeit. Auch wir wollen natürlich up to date bleiben - zumindest beim Wetter.“ mm


Fotos: Manuel Feininger, Christoph Schneider

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