Raus aus dem Schmerz

30.01.2019

Die Deutsche Schmerzgesellschaft e.V. geht davon aus, dass zwischen 8 und 16 Millionen Menschen in Deutschland unter chronischen Schmerzen leiden, mit zunehmender Tendenz. Am häufigsten treten chronische Schmerzen im Bewegungsapparat und im Rücken auf.

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Auf der Basis ihrer über 25-jährigen Forschung haben Dr. Petra Bracht und Roland Liebscher-Bracht eine innovative Schmerztherapie entwickelt, mit der insbesondere chronische Schmerzen ausgeschaltet werden können. Mittlerweile arbeiten bundesweit zahlreiche Ärzte, Heilpraktiker und Physiotherapeuten mit dieser Therapieform.


In der Region Ulm/Neu-Ulm ist Heilpraktikerin Charlotte Bollinger ausgebildete und zertifizierte Schmerztherapeutin nach LnB Liebscher & Bracht. TOP Magazin sprach mit ihr über die Besonderheiten der Therapie.


TOP: An welche Patienten richtet sich die Therapie?
Bollinger: An alle Patienten mit akuten oder chronischen Schmerzen. Es gibt Menschen, die eine jahrelange Odyssee von Facharzt zu Facharzt hinter sich haben und trotzdem unter Schmerzen leiden. Dauermedikationen und OP-Indikationen sind die Folge. Aber das muss nicht unbedingt sein! Die Schmerztherapie nach LnB erzielt nachweislich überraschend gute Ergebnisse. Außerdem gehören mittlerweile auch zahlreiche Leistungssportler zu meinen Patienten. Denn häufig ist es so, dass sie aufgrund ihres Spitzensports den Körper einseitig belasten, was dann zu Schmerzzuständen führt.


TOP: Um was handelt es sich bei der Liebscher & Bracht Methode?
Bollinger: Die Therapie beruht auf einem neuen Denkansatz über die Entstehung von Schmerzen. Wir gehen davon aus, dass die meisten Schmerzen sogenannte Alarmschmerzen sind. Sie möchten den Patienten vor drohendem Verschleiß oder Schädigungen warnen und dazu bewegen, etwas zu verändern. Der gesunde Mensch besitzt rund 650 Muskeln, die von Faszien, den Weichteil-Komponenten des Bindegewebes umhüllt sind. Häufig werden aber von diesen Muskeln nur 10 Prozent genutzt, z.B. bei Menschen an Büroarbeitsplätzen. Viele Muskeln und Faszien werden dadurch nicht mehr richtig gedehnt, werden unbeweglich und verursachen schmerzhafte Verspannungen und mittelfristig auch Gelenk- oder Wirbelschmerzen. Dabei dient der Schmerz als Alarmsignal des Körpers, dass es so nicht weitergehen kann. Hier setzt die Therapie nach LnB unter anderem mit therapeutischen Engpassdehnungen an.


TOP: Was bedeutet das genau?
Bollinger: Gelenke werden durch Sehnen und Bänder gehalten, Rezeptoren an den Gelenken messen Zug- und Druckspannungen und melden diese permanent an das Gehirn. Erkennt das Gehirn hieraus dann einen Verschleiß an Gelenken oder Wirbeln, sendet es einen Schmerz in die entsprechende Körperregion, um weiter schädigende Bewegungen zu verhindern. Das Gehirn alarmiert sozusagen den Betroffenen. Am Knochen des Menschen befinden sich Rezeptoren, an denen sich Druckspannungen sammeln. Diese Konzentrationspunkte lassen sich gezielt behandeln. Wobei es wichtig ist, dass Intensität und Winkelgrad des Drucks genau stimmen, um eine effiziente Engpassdehnung zu erreichen.


TOP: Welche Schmerzen können behandelt werden?
Bollinger: Die LnB Methode ist geeignet bei Kopfschmerzen einschließlich Migräne und Spannungskopfschmerzen, Nackenschmerzen, Karpaltunnelsyndrom, Tennisellenbogen, Golfellenbogen, Hüftarthrose und bei zahlreichen weiteren Schmerzen im Bewegungsapparat.


TOP: Ist die Therapie auch bei Bandscheibenbeschwerden anwendbar?
Bollinger: Ja, durch gezielte Osteopressur gelingt es, den Druck der Bandscheibe auf den Nerv wegzunehmen. Wenn das Gewebe um den Wirbel herum entspannt und locker ist, lassen der Druck der Bandscheibe auf den Nerv und somit auch der Schmerz nach. Die LnB Therapie ist geeignet bei HWS-Syndrom, BWS-Syndrom und LWS-Syndrom.


TOP: Wie ist der Therapieablauf?
Bollinger: In der ersten Sitzung erfolgt eine genaue Anamnese mit der Untersuchung der Körperpartien, die von Schmerzen betroffen sind. Danach werden die schmerzsensiblen Punkte mit Osteopressur behandelt und therapeutische Übungen gemeinsam mit dem Patient gemacht. Für viele Patienten tritt bereits nach der ersten Sitzung eine spürbare Besserung ein.


TOP: Kann der Patient den Therapieerfolg durch eigene Maßnahmen unterstützen?
Bollinger: Ja, parallel zu den Therapiesitzungen bekommt der Patient ein individuelles Übungsprogramm für Zuhause. In der Regel sind es leichte, aber sehr effiziente Übungen. Wer sich morgens und abends jeweils etwa 10 Minuten damit beschäftigt, trägt ganz erheblich zum langfristigen Therapieerfolg bei.


TOP: Werden die Kosten von der Krankenversicherung übernommen?
Bollinger: Da meist drei Therapiesitzungen ausreichen, sind die Gesamtkosten überschaubar und liegen in der Größenordnung von 600 bis 800 Euro. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen diese Kosten leider nicht, bei den privaten Krankenversicherungen kommt es auf den Einzelfall an, in welchem Umfang Honorare von Heilpraktikern erstattet werden.


TOP: Vielen Dank für das interessante Gespräch.


 


Charlotte Bollinger war über 25 Jahre als medizinische Fachangestellte tätig. 2011 absolvierte sie die Ausbildung zur Heilpraktikerin mit Fortbildung zur Schmerztherapeutin nach Liebscher und Bracht, und nahm seitdem an der jährlichen Qualitätsprüfung und Neuzertifizierung nach LnB teil.


 www.charlotte-bollinger.de


 


Fotos: Charlotte Bollinger

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