Oberbürgermeister Gunter Czisch über

06.07.2020

Digitalisierung in Ulm


In Ulm war das schon immer so. Wenn es um Entwicklungen in ihrer Stadt geht, dann reden die Bürgerinnen und Bürger mit. Auch heute im Zeitalter des digitalen Wandels ist eine rege Beteiligung der Gesellschaft nicht nur gefragt, sondern im Rathaus durchaus gewünscht. TOP Magazin Redakteur Stefan Loeffler sprach mit Oberbürgermeister Gunter Czisch über das Projekt Zukunftsstadt 2030, die Chancen der Digitalisierung und einen ganz besonderen Vogel.

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TOP: Herr Czisch, die Stadt Ulm ist die einzige Kommune in Süddeutschland, die es mit ihrem Digitalisierungs-Konzept in die entscheidende Phase des Bundesprojekts Zukunftsstadt 2030 geschafft hat. Was können andere Städte von uns lernen? 
OB Czisch: Die Ulmer Lösung setzt immer bei den einzelnen Bürgerinnen und Bürgern, ihren Talenten und Fähigkeiten an. Die Grundidee der Bürgerzentrierung ist es, Produkte und Dienstleistungen aus der Stadtgesellschaft heraus selbst zu entwickeln. Die erforderliche Struktur schafft die städtische Geschäftsstelle Digitale Agenda. Eines ist klar: Um eine gesellschaftliche Akzeptanz der Digitalisierung zu erreichen, müssen echte Mehrwerte für Bürger, Unternehmen, Verwaltung und Wissenschaft geschaffen werden. Hierfür braucht man einen langen Atem. Wir haben ihn. Denn Digitalisierung soll das Leben der Menschen besser machen. Um Begeisterung zu wecken, muss sie emotional erlebbar werden. Ein Beispiel hierfür ist unser beliebter Flugsimulator Birdly, mit dem der Opa mit seinem Enkelkind in das Ulm des Jahres 1890 durchstarten kann. 


TOP: Die Stadt Ulm setzt mit ihrem Konzept „Nachhaltigkeit digital gestalten - Internet der Dinge für ALLE“ auf Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Wie können sich die beiden Aspekte sinnvoll ergänzen?
OB Czisch: Wir haben in Ulm schon sehr früh den Ansatz gewählt, bei der Stadtentwicklung die Bereiche Digitalisierung und Nachhaltigkeit eng miteinander zu verknüpfen, denn es ist entscheidend, dass man beide Aspekte zusammen betrachtet. Digitalisierung kann der Nachhaltigkeit durchaus Vorteile bereiten. So können zum Beispiel Navigationssysteme mitunter helfen, Staus zu vermeiden und letztlich auch Emissionen zu senken. Intermodale digitale Mobilitätslösungen helfen mit, Sharing-Systeme besser zu vernetzen und den Individualverkehr zu reduzieren. 


TOP: Seit Anfang Mai sind das Ulmer Verwaltungslabor und der neue Kreativraum im Weinhof 7 offiziell in Betrieb. Was verbirgt sich dahinter?
OB Czisch: Die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung ist derzeit ein zentrales Thema. Ulm hat sich durch zahlreiche Projekte zu einer der Vorreiterstädte der digitalen Transformation entwickelt. Nun sollen in den Räumen am Weinhof innovative Ideen der Digitalisierung auch innerhalb der Ulmer Stadtverwaltungen diskutiert und konkretisiert werden können.
In Zeiten der Corona-Pandemie bekommt ein Verwaltungslabor einen ganz neuen Stellenwert. Und dies gilt nicht nur für Ulm. Die Einschränkungen des Publikumsverkehrs und das Ende des klassischen Verwaltungsalltags zwingen uns zu digitalen Ansätzen, um den Betrieb der Stadtverwaltung aufrechtzuhalten.


TOP: Ohne Internet, Tablets oder Mobiltelefone sind smarte Technologien nicht anwendbar. Doch gerade älteren Menschen sind diese Medien oftmals fremd. Wie können auch sie von der digitalen Zukunftsstadt profitieren?      
OB Czisch:  Unser Ziel ist klar: Alle sollen teilhaben und das so smart wie möglich. Ein Beispiel für leicht anwendbare Technologien findet man in einer Musterwohnung, die ebenfalls im Zeichen der Zukunftsstadt im Bethesda Klinikum Ulm konzipiert wird. Sie wird auf anschauliche Weise aufzeigen, was es alles für digitale Hilfen gibt, damit ältere Menschen möglichst lange, bequem und sicher in den eigenen vier Wänden wohnen bleiben können. 


Fotos: Stadt Ulm
(Der Flugsimulator Birdly erleichtert den Einstieg in digitale Technologien)

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