Event- und Hochzeitsbranche in der Krise

09.07.2020

Seit März sind alle Veranstaltungen abgesagt, teils weil sie von der Regierung verboten wurden, teils weil die Veranstalter sie freiwillig abgesagt haben, wenn sie davon ausgehen mussten, dass mit den coronabedingten Auflagen einfach keine halbwegs normale Feierlaune aufkommen kann. Wer mag schon heiraten, wenn man nicht einmal beim Gratulieren Hände schütteln oder sich in den Arm nehmen darf? 

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Oder die Gastgeber haben ihre Veranstaltung abgesagt, weil sie befürchteten, dass die Gäste wegen der Gefahr einer Infektion von sich aus nicht kommen werden. Das gilt für Großveranstaltungen wie die internationale Tourismusmesse ITB in Berlin, den Genfer Autosalon, das Münchner Oktoberfest, und zahlreiche Hauptversammlungen von Aktiengesellschaften ebenso wie für mittlere und kleinere Veranstaltungen wie Fortbildungsseminare, Hochzeiten und andere Familienfeiern.   


Für viele Dienstleister in diesem Bereich führte das zu einem abrupten Umsatzrückgang um bis zu 100%. Ein großer Teil dieser Veranstaltungen wird nicht verschoben, sondern entfällt komplett und führt daher zu einem echten Umsatzverlust.


Bei den meisten Hochzeiten und anderen Familienfeiern ist sicherlich davon auszugehen, dass sie im nächsten Jahr nachgeholt werden. Aber: Das führt dann zu einem „Stau“, denn die Kapazitäten werden kaum ausreichen, dass im nächsten Jahr die regulär für 2021 geplanten und zugleich die von diesem Jahr verschobenen Veranstaltungen stattfinden. „Das Jahr hat deswegen nicht mehr Samstage als sonst“, berichtet Hochzeitsplanerin Mirjam Heubach. „Die Hochzeitssaison 2021 wird zwar ein paar Wochen früher starten als üblich und auch etwas länger andauern, aber es wird bei den Locations und bei vielen Dienstleistern zu erheblichen Engpässen im Terminkalender kommen.“  Was zwangsläufig zu einer Verschiebung mancher Termine bis ins Jahr 2022 führen wird.      


 „Unser vorrangiges Ziel ist es durchzuhalten, was für viele Soloselbständige und Kleinunternehmer ein großes Problem darstellt. Denn auf eine Krise dieses Ausmaßes war niemand von uns vorbereitet.“ Um auf die prekäre Lage der Hochzeits- und Eventbranche aufmerksam zu machen, haben Mirjam Heubach (Freudenfeuer Hochzeiten), Judith und Alexander Motz (Happy Deko), Jascha Pansch (Fotograf) und Alexandra Pansch (Sängerin) unter dem Motto „Den Letzten geht bald das Licht aus“ gemeinsam eine Aktion auf dem Ulmer Münsterplatz organisiert, zu der über 200 Teilnehmer aus der ganzen Region von Stuttgart über Ulm bis Augsburg gekommen sind. Zunächst machten die Veranstalter in ihrer Ansprache auf den Ernst der Lage aufmerksam, bevor dann mit dem Anzünden eines Pyro-Herzens und drei von Alexandra Pansch live gesungenen Liedern - passend zur Hochzeitsbranche - doch noch ein bisschen feierliche Stimmung aufkam.


Die Corona-Soforthilfe war hilfreich, aber für das 2. Halbjahr 2020 ist eine weitere staatliche Unterstützung dringend erforderlich, um den Unternehmern das wirtschaftliche Überleben bis zum Frühjahr 2021 zu ermöglichen, waren sich die Initiatoren der Münsterplatz-Aktion und die Besucher einig. „Denn es besteht die große Gefahr, dass es viele von uns bereits im Herbst nicht mehr gibt. Die Lichter werden im wahrsten Sinne des Wortes ausgehen“, so Mirjam Heubach. Sie selbst nutzt die Zeit, um einen Onlinekurs zum Thema Hochzeitsplanung zu erstellen. „Mit den von mir produzierten Videos, Präsentationen und Checklisten bekommen Brautpaare all mein Wissen und meine langjährige Praxiserfahrung als Hochzeitsplanerin vermittelt, um ihre Hochzeit ganz eigenständig und wie ein Profi selbst planen zu können.“ So wird die Krise auch sicherlich viele kreative, neue Ideen hervorbringen, auch wenn das vielleicht aufgrund der konkreten Tätigkeit bei dem einen oder anderem Unternehmer nur eingeschränkt möglich ist.  ge


Fotos: Mit einer Aktion auf dem Münsterplatz machten zahlreiche Unternehmer aus der Event- und Hochzeitsbranche auf ihre coronabedingt prekäre wirtschaftliche Lage aufmerksam.  (Hermann Genth)

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