SSV 1846 Fußball

09.07.2020

Cheftrainer Holger Bachthaler: "Alles ist möglich"


Die Corona-Pandemie sorgte für einen frühzeitigen Abpfiff der laufenden Saison 2019/20. Am Ende stand das Team des SSV Ulm 1846 Fußball auf Platz 7 der Regionalliga Südwest. Auch wenn das Virus in der Stadionstraße vieles durcheinandergewirbelt hat, blicken die Ulmer Kicker hoch motiviert und siegessicher in die Zukunft. Allen voran Cheftrainer Holger Bachthaler, den TOP Magazin Redakteur Stefan Loeffler zum Interview traf. 

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TOP: Herr Bachthaler, der SSV galt schon immer als Talentschmiede. Welchen Stellenwert nimmt der Nachwuchs bei Ihnen ein?
Bachthaler: Unsere Zielsetzung ist es ganz klar, die Nachwuchsarbeit aus der Vergangenheit erfolgreich fortzuführen, um möglichst viele Spieler aus der Region in die erste Mannschaft integrieren zu können. Mit Vinko Sapina, Ardian Morina und Thomas Geyer haben wir, um nur einige Namen zu nennen, aktuell Spieler in der Mannschaft, die wir in der Jugend ausgebildet haben. Wie wichtig uns die Förderung von jungen Spielern ist, zeigt auch der Aufbau unseres Nachwuchsleistungszentrums NLZ hier in der Friedrichsau. 


TOP: Derzeit ist das Verfahren zur offiziellen Anerkennung durch den Deutschen Fußballbund in vollem Gange?
Bachthaler: Die Anforderungen seitens des DFB sind sehr hoch, da bundesweit geltende Standards erfüllt werden müssen. Es geht ja nicht nur um infrastrukturelle Vorgaben, sondern auch um die ganzheitliche Förderung der Jugendlichen. Neben der fußballspezifischen Ausbildung spielen auch die medizinische, sportpsychologische und schulische Betreuung eine wichtige Rolle. 


TOP: Wie viele Spieler werden denn gefördert?
Bachthaler: Wir haben Kinder und Jugendliche von der U10 bis zur U19 in neun Nachwuchsmannschaften sowie das Förderprogramm Spatzennest für die Kleinsten.  


TOP: Wie und wo entdeckt man junge Talente?
Bachthaler: Wir haben mit Klaus Märkle einen Verantwortlichen, der sich gezielt um das Scouting junger Talente kümmert. Zudem werden unsere Trainer bei Testspielen oder Turnieren auf junge Talente aufmerksam. Daneben fördern wir mit unserer Fußballschule „Spatzennest“ einmal in der Woche Kinder anderer Vereine aus der näheren Ulmer Umgebung.    


TOP: Was macht denn einen Spieler zu einem guten Spieler?
Bachthaler: Das hängt natürlich sehr stark von der Position des Spielers und von den Anforderungen des jeweiligen Trainers ab. Der Fußball hat sich in den letzten Jahren, gerade was das Spieltempo betrifft, enorm weiterentwickelt. Die athletische und kognitive Komponente ist daher neben den technisch-taktischen Fähigkeiten ein wesentliches Leistungsmerkmal eines guten Spielers. 


TOP: Welche Spielweise oder Strategie bevorzugen Sie als Trainer?
Bachthaler: Grundsätzlich erwarte ich von meiner Mannschaft auf dem Platz eine hohe Aktivität, sowohl mit wie auch gegen den Ball. Im Spiel gegen den Ball wollen wir den Gegner durch aggressives und ballorientiertes Vorwärtsverteidigen so früh wie möglich unter Druck setzen und attackieren. Bei eigenem Ballbesitz gilt es durch dynamisches und vertikales Angriffsspiel die sich uns bietenden Räume zu nutzen. Insgesamt legen wir ein hohes Augenmerk auf die offensiven wie defensiven Umschaltsituationen. 


TOP: Haben Sie Vorbilder?
Bachthaler: Nicht im klassischen Sinn. Selbstverständlich kann man von Kollegen lernen, ohne seinem eigenen Ich untreu zu werden. Jürgen Klopp zum Beispiel zeichnet sich durch eine sehr gute Team- und Mannschaftsführung aus, Julian Nagelsmann durch eine hohe Flexibilität im taktischen Bereich.  Aber auch Marco Rose, mit dem ich mich in meiner Salzburger Zeit regelmäßig intensiv austauschen konnte, imponiert mir mit seiner Art, wie er Fußball denkt und dies auch auf seine Mannschaft überträgt.


TOP: Ein Verein lebt von seinen Anhängern. Was zeichnet für Sie einen guten Fan aus?
Bachthaler: Dass er natürlich bei jedem Heimspiel im Donaustadion ist und auch im privaten Kreis Werbung für uns macht und neue Anhänger gewinnt. Natürlich sollte ein treuer Fan, wie das in der Vergangenheit schon war, auch in schweren Zeiten zu seinem Club stehen.
In erster Linie können wir aber die Fans für uns gewinnen, indem wir guten und erfolgreichen Fußball präsentieren. Die ausverkauften DFB-Pokalspiele gegen Eintracht Frankfurt und den 1. FC Heidenheim haben gezeigt, wie sehr sich die Region danach sehnt, wieder höherklassigen Fußball zu sehen. Der SSV 1846 Fußball besitzt noch immer eine hohe Strahlkraft in der Region. 


TOP: Die Profi-Mannschaft wurde zu Beginn des Jahres in die SSV Ulm 1846 Fußball GmbH & Co. KGaA ausgegliedert. So heißt die neue Rechtsform der Kapitalgesellschaft, die auch die wirtschaftlichen Geschäftsbereiche des Vereins wie Sponsoring und Merchandising beinhaltet. Was sind die Vorteile?
Bachthaler: Damit möchten wir natürlich Investoren den Weg ebnen, uns zu unterstützen. Durch die alternativlose Ausgliederung der Profi-Mannschaft nimmt man dem Verein auch ein finanzielles Risiko ab. Denken Sie an die früheren Insolvenzen des Vereins, bei denen ja die gesamte Fußball-Abteilung in eine wirtschaftliche Schieflage geraten ist. 


TOP: Die Vereinsfarben sind schwarz und weiß. Mit welchen Gefühlen blicken Sie persönlich in die Zukunft?
Bachthaler: Wir haben in den letzten Jahren den Übergang vom Amateur- zum Profifußball gut hinbekommen. Ich bin fest davon überzeugt, dass sich die Mannschaft noch weiter entwickeln wird und ich habe großes Vertrauen in unseren bestehenden Kader. Es ist schön, dass es dem Verein gelungen ist, alle Leistungsträger langfristig an den Verein zu binden. Dennoch arbeiten wir gerade intensiv daran, durch weitere gezielte Neuzugänge die Qualität im Kader zu erhöhen.


TOP: Wo sehen Sie den Verein in fünf Jahren?
Bachthaler: Nicht mehr in der Regionalliga Südwest. Die dritte Liga ist unser mittelfristig erklärtes Ziel. Trotz allem Optimismus müssen wir natürlich sehen, dass wir in einem starken Wettbewerb mit vielen zum Teil finanzstärkeren Traditionsvereinen stehen. Top-Clubs haben mitunter einen wesentlich höheren Etat. Doch auch Mannheim und Saarbrücken benötigten acht, neun Jahre für den Aufstieg. Das bedeutet auch für uns, dass wir trotz einer hohen Zielsetzung kontinuierlich und konsequent unseren eingeschlagenen Weg fortsetzen müssen, gerade dann wenn es auch mal sportlich nicht nach Wunsch läuft. 


TOP: Ist Fußball ihr Leben oder gibt es auch noch andere Sportarten in Ihrer Freizeit?
Bachthaler: Ich spiele seit zwei Jahren Golf, eine Leidenschaft, die ich gemeinsam mit meiner Frau auf dem Platz teile. Dennoch gibt es für einen Trainer kaum eine Zeit, in der man nicht mit Fußball konfrontiert wird.   


TOP: Was sind denn die Ziele für die kommende Saison?
Bachthaler: Wir hoffen auf einen guten Start. Dann ist alles möglich.  


Fans spenden für Tafelläden
Ulm’s „virtuelle HEIMkurve“ wächst Schritt für Schritt. Sowohl aktuelle als auch ehemalige SSV-Spieler wie Loris Karius, Rainer Scharinger oder Thomas Rathgeber haben sich bereits beteiligt und für einen guten Zweck gespendet. Aber auch viele Spatzenfans bauen kräftig mit den Menschen der Region und Fußballfans aus ganz Deutschland. Inzwischen konnten gemeinsam 16.000 virtuelle Plätze zu je einem Euro gebaut werden. Der SSV-Nachwuchs sowie die regionalen Tafelläden dürfen sich jeweils über die Hälfte der Spenden freuen. Der Verein hat die Spendenkampagne Anfang April gestartet, um auch die aktuell fehlenden Zuschauereinnahmen etwas auffangen zu können 


Fotos: SSV Ulm 1846 Fußball

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