Oberbürgermeisterin Katrin Albsteiger

05.10.2020

Im März 2020 wählten die Neu-Ulmerinnen und Neu-Ulmer einen Nachfolger bzw. eine Nachfolgerin für Gerold Noerenberg, der bei der diesjährigen OB-Wahl nicht mehr antrat. Katrin Albsteiger gewann souverän bereits im ersten Wahlgang und trat am 1. Mai ihr Amt als neue Oberbürgermeisterin von Neu-Ulm an. Nach ihren ersten 100 Tagen im Amt sprach TOP Magazin Verleger Hermann Genth mit ihr über ihre Ziele und Visionen für Neu-Ulm und auch über ihre private Seite.

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TOP: Was begeistert Sie an Neu-Ulm?
OB Albsteiger: Ich wurde zwar in Ulm geboren, habe aber fast mein ganzes Leben in Neu-Ulm verbracht. Hier bin ich zur Schule gegangen, mein soziales Leben findet hier statt und hier gehe ich zum Einkaufen. An der Stadt Neu-Ulm schätze ich besonders die gute Mischung aus ländlichem und urbanem Charakter. Neu-Ulm ist eine junge, dynamische Stadt, die sich ständig neu erfindet. Der Name ist sozusagen Programm.         


TOP: Die Einwohnerzahl Neu-Ulms ist in den letzten Jahren kontinuierlich von ca. 53.000 im Jahr 2010 auf aktuell ca. 63.000 gewachsen. Worauf führen Sie diesen Erfolg zurück?
OB Albsteiger: Es ist nicht nur ein Erfolg. Es ist auch eine Bürde. Ich freue mich zwar, dass Neu-Ulm anscheinend so attraktiv ist, aber daraus erwachsen auch große Herausforderungen und massiver Druck. Die attraktive und verkehrsgünstige Lage zwischen den Metropolen Stuttgart und München bietet gute Voraussetzungen für die Ansiedlung neuer Firmen. Durch die wachsende Zahl der Arbeitsplätze und auch Neu-Ulms Vielseitigkeit als Lebensraum zum Wohnen ziehen immer mehr Menschen in die Stadt. Der hohe Freizeitwert der Doppelstadt Ulm/Neu-Ulm spielt dabei sicherlich auch eine Rolle.            


TOP: Es gibt klare Anzeichen einer konjunkturellen Eintrübung, insbesondere durch die Unsicherheit im Zusammenhang mit COVID-19. Wie stabil ist die Wirtschaft in Neu-Ulm?  
OB Albsteiger: Es gibt ganz tolle Unternehmen hier in Neu-Ulm, bei denen ich davon überzeugt bin, dass sie die Krise gut überstehen. Aber es gibt natürlich auch einige Bereiche, die sehr unter der Krise leiden, z.B. die Gastronomie. Wir als Stadt werden alles, was uns möglich ist, dafür tun, die Unternehmen zu unterstützen. Hierbei ist es auch erforderlich, im Rahmen unserer interkommunalen Zusammenarbeit mit der Stadt Ulm und gemeinsam mit Verbänden wie der Innovationsregion neue Impulse für die Wirtschaftsförderung zu entwickeln. 


TOP: Welche größeren Projekte in der Stadtentwicklung werden innerhalb der kommenden 3 bis 5 Jahre realisiert?     
OB Albsteiger: Da gibt es eine ganze Menge. Unter anderem das neue Wohn- und Arbeitsquartier „Wohnen am Illerpark“ an der Memminger Straße, der Neubau der Grundschule Burlafingen, der Neubau eines Gymnasiums gemeinsam mit dem Landkreis sowie der Neubau mehrerer Kitas im Stadtgebiet. Darüber hinaus sind die Sanierung der Reuttier Straße und die Neugestaltung des Schwal geplant. Da ich in den vergangenen Jahren bereits Mitglied im Neu-Ulmer Stadtrat war, ist mir die Planung dieser Bauvorhaben vertraut, was mir meine jetzige Arbeit deutlich erleichtert.
Ein weiteres großes Projekt ist die Neufestsetzung des Flächennutzungsplans. Hiermit werden die Weichen für die Stadtentwicklung in den nächsten 10 bis 15 Jahren gestellt. 


TOP: Wie entwickelt sich die private Nachfrage nach Bauplätzen in Neu-Ulm? Werden in naher Zukunft weitere Baugebiete ausgewiesen?
OB Albsteiger: Die Nachfrage nach Bauland ist unverändert hoch. Unser Bestreben ist es, eine ausgewogene Entwicklung zwischen der Innenstadt und den Stadtteilen hinzubekommen. Die Ausweisung neuer Baugebiete erfordert ja meist auch infrastrukturelle Maßnahmen, zum Beispiel beim ÖPNV und bei Bildungs- und Betreuungseinrichtungen. Aktuell gibt es in Reutti ein neues Baugebiet mit 14 Bauplätzen, die jedoch bereits komplett vergeben sind. Neu hinzukommen werden beispielsweise das bereits erwähnte Areal „Wohnen am Illerpark“ sowie Baugebiete im Nordwesten von Steinheim und im Nordosten von Pfuhl.


TOP: Sie bieten einen WhatsApp-Infodienst an. Worum handelt es sich hierbei konkret? 
OB Albsteiger: Dieser WhatsApp-Dienst wurde tatsächlich schon unter meinem Vorgänger Gerold Noerenberg eingeführt, mit dem Ziel, den Bürgerinnen und Bürgern die Gesamtheit der Kommunikationsmöglichkeiten anzubieten. WhatsApp ist ein sehr schnelles Medium, über das man sein Anliegen mitteilen oder Fragen stellen kann, ohne lange Texte zu schreiben. Jedes Anliegen wird von uns ernst genommen, wobei es je nach Komplexität des Sachverhalts natürlich auch mal etwas länger dauert, bevor man eine Antwort erhält. Darüber hinaus nutzen wir WhatsApp als Kommunikationsweg, um registrierten Nutzern Informationen aus der Stadt zukommen zu lassen. Ein konkretes Beispiel hierfür war die Nachricht, dass die Stadtbücherei wieder geöffnet ist.


TOP: Welche Ziele liegen Ihnen als Stadtoberhaupt besonders am Herzen?
OB Albsteiger: Alles! Alle Themen sind spannend, egal ob es um Bau, Soziales oder Finanzen geht und egal, um welchen Stadtteil es geht. Aktuelle Schwerpunktthemen sind die Familien- und Bildungspolitik einschließlich der Kinderbetreuung, die Wirtschaftsförderung und die Modernisierung unserer Bürgerdienste und der Verwaltung. Die Digitalisierung ist in aller Munde und auch in der Stadtverwaltung mit ihren 900 Mitarbeitern möchten wir dieses Thema voranbringen.        


TOP: Wagen Sie einen Blick in die Zukunft: Wie sieht Neu-Ulm im Jahr 2030 aus? 
OB Albsteiger: Aus meinen Erfahrungen im Wahlkampf weiß ich, dass der Mobilitätsbereich den Bürgerinnen und Bürgern derzeit am Wichtigsten ist. Hier gilt es, in den kommenden Jahren neue Konzepte zu entwickeln und die verschiedenen Mobilitätsträger intelligent zu verknüpfen und dabei die unterschiedlichen Bedürfnisse in den städtischen und in den ländlichen Teilen Neu-Ulms gleichermaßen zu berücksichtigen.
Die Innenstadt wird sich in den nächsten zehn Jahren zu einem urbanen Zentrum entwickeln, mit hoher Aufenthaltsqualität. Dabei werden Maßnahmen zum Klimaschutz weiter an Gewicht gewinnen. Entscheidungen in Bezug auf die Stadtentwicklung werden stärker als bisher mit der Frage verbunden, welche Auswirkungen sie auf das Klima haben. Auch werden wir mehr Grün in der Stadt haben als jetzt. 


TOP: Wo ist Ihr Lieblingsplatz in Neu-Ulm? 
OB Albsteiger: Abgesehen von meinem Arbeitsplatz im Rathaus ist mein Lieblingsplatz zuhause bei meiner Familie. Seit 2012 wohne ich im Neu-Ulmer Stadtteil Burlafingen. Lieblingsorte in der Innenstadt sind der Wasserturm im Kollmannspark und das Donau-Ufer zwischen Edwin-Scharff-Haus und der Brücke in der Friedrichsau.   


TOP: Womit verbringen Sie am liebsten Ihre Freizeit?
OB Albsteiger: Ich treibe regelmäßig Sport, lese viel und reise gerne, sowohl in der näheren als auch in der weiteren Umgebung. 


TOP: Herzlichen Dank für das interessante Gespräch und viel Erfolg für alle anstehenden Projekte. 


Fotos: Matthias Schmiedel