Marcel Wagner

TOP: Was gefällt Ihnen an der Tätigkeit des Nachrichtenmoderators?
Marcel Wagner: Selten war die Welt so sehr in Bewegung wie in den vergangenen zwei bis drei Jahren. In dieser dynamischen und weltweit ereignisreichen Zeit Nachrichtenmoderator zu sein, ist äußerst spannend. Gerade bei n-tv, dessen Kernkompetenz aktuelle Nachrichten sind, ist das die faszinierendste Tätigkeit, die ich mir derzeit vorstellen kann.

TOP: Sind Sie als Moderator auch in die Redaktion mit eingebunden?
Wagner: Ja, der Moderator ist an der Entstehung der Sendung beteiligt. Ich werde bei der Zusammenstellung der Themen für die jeweilige Nachrichtensendung mit einbezogen und schreibe meine Anmoderationen für die Beiträge selbst. Da wir bei n-tv Nachrichten mindestens halbstündlich ausstrahlen, sind wir nicht auf einen bestimmten Zeitpunkt fixiert wie die Tagesschau oder die heute-Sendung, sondern aktualisieren die Inhalte der Nachrichtensendungen permanent.
Da kann es sogar vorkommen, dass Nachrichtentexte und Anmoderationen für Filmbeiträge geschrieben werden, die schon während der Sendung durch neue Ereignisse überholt sind und dann spontan der aktuellen Entwicklung angepasst werden müssen. Was mir bei n-tv auch gefällt, ist, dass trotz des ausgeprägten Bestrebens, den Zuschauern aktuellste Informationen zu liefern, die Glaubwürdigkeit der Nachrichten einen sehr hohen Stellenwert hat. Wenn nach einer Katas-
trophe, wie einem Amoklauf, in den sozialen Medien Videos vom Tatort auftauchen, verifizieren wir zunächst die Echtheit, bevor solche Videos ausgestrahlt werden. Denn es kommt leider immer häufiger vor, dass die in den sozialen 
Medien verbreiteten Videos nicht zu dem aktuellen Ereignis passen.

TOP: Sind Sie neben Ihrer Tätigkeit bei n-tv auch weiterhin für Regio TV in Ulm tätig?
Wagner: Meine Haupttätigkeit ist zwar beim Nachrichtensender n-tv in Köln, der zur Mediengruppe RTL gehört. Bei Regio TV moderiere ich nach wie vor die Sendung „Auf ein Bier mit…“. Pro Jahr gibt es 28 neue Aufzeichnungen, von 
denen wir an Produktionstagen bis zu vier zusammenfassen. Das erhöht zwar meinen Vorbereitungsaufwand für den jeweiligen Drehtag erheblich, reduziert aber die Zahl meiner Einsatztage in Ulm. Außerdem bin ich auf Regio TV bei einigen Sondersendungen zu sehen, wie zum Beispiel dem jeweils im Dezember ausgestrahlten Jahresrückblick.

Ich bin nach wie vor oft und sehr gerne in Ulm. Denn ich habe viele Freunde hier und ich liebe es, an der Donau zu joggen. Privat wohne ich in Frankfurt. Das ist ganz praktisch, denn es liegt zwischen Köln und Ulm.

TOP: Kann man Sie als Moderator nur im Fernsehstudio oder auch live erleben?
Wagner: Eventmoderationen wie beim Festabend „150 Jahre Gold Ochsen in Familienbesitz“ im November 2017 oder beim Sponsorenabend des SSV Ulm im März 2018 machen mir wahnsinnig viel Spaß. Dabei spürt man den direkten Kontakt zum Publikum, mit allen seinen Vorteilen und Nachteilen. Die Moderation lebt nicht nur von dem, was man vorbereitet hat, sondern auch von den Reaktionen des Publikums, egal ob sie positiv oder kritisch sind. Und natürlich kann auch immer mal etwas schief gehen. Da sind dann Schlagfertigkeit und Spontanität gefragt. Nicht umsonst bezeichnet man die Bühnenmoderation als Königsdisziplin der Moderation.

TOP: Wie verbringen Sie Ihre Freizeit?
Wagner: Ich habe eine Pilotenlizenz für Flugzeuge und für Hubschrauber. Wenn ich im Cockpit sitze und die Welt von oben genieße, kann ich wunderbar entspannen.

TOP: Vielen Dank für das interessante Gespräch.

 

INFO
Marcel Wagner (36) hat Medien- und Kommunikationswissenschaft studiert. Erste Fernseherfahrung sammelte er bei der Moderation einer Jugendsendung im BR Fernsehen. Nach fünf Jahren wechselte er zum rbb Fernsehen nach Berlin. Im Jahr 2014 wurde er Programmchef bei Regio TV in Ulm und ist seit Juli 2016 Nachrichtenmoderator bei n-tv.

Fotos: Peter Neher / picslocation, Jürgen Hofstätter, privat