Weinkaräter Christian Weisenstein im Interview

TOP: Verraten Sie uns – was bedeutet der Name Weinkaräter?
Christian Weisenstein: Weine sind etwas Besonderes, das Zeit zum Reifen braucht, genauso wie hochkarätige Diamanten. Sie entstanden vor Millionen Jahren im Erdinneren. Auch bei mir war die Liebe zum Wein schon seit meiner Kindheit in mir angelegt. Außerdem habe ich den 4. Dan im Karate. Der Name passt in jeglicher Beziehung (lacht).

TOP: Ihre Leidenschaft für Wein ist demnach biografi sch begründet?
Christian Weisenstein: Ich bin in Bad Dürkheim an der deutschen Weinstraße aufgewachsen. Meine Großeltern haben Weinbau im Nebenerwerb betrieben. In meiner Kindheit habe ich schöne Stunden im Weinberg oder bei der Traubenernte verbracht. Nach meinem Ingenieursstudium verschlug es mich berufl ich nach Ulm, also in eine klassische Biergegend. Aufgrund meiner Weinkenntnisse erhielt ich immer wieder Anfragen von Freunden und Kollegen für eine Weinprobe. Da habe ich mich wieder mit Begeisterung in mein Hobby eingearbeitet.

TOP: Sie sind ein IHK zertifi zierter „Wein- und Genussexperte“. Ihr größter Stolz ist das „Diploma in Wines“ des International Wine & Spirit Education Trust in London. Eine der höchsten Qualifi zierungen, richtig?
Christian Weisenstein: Richtig. Zum einen sind dies international einheitliche Standards, zum anderen geht dieses Wissen sehr in die Tiefe. Um Weine zu verstehen, bedarf es vieler Kenntnisse wie in Geologie, Erdkunde, Geschichte, Biologie und Chemie. Ich bin glücklich, die Abschlussprüfung nach nur 18 Monaten geschaff t zu haben, die Durchfallquote ist nämlich hoch. Mittlerweile bin ich zusätzlich „Certified Educator“ und unterrichte selbst. 

TOP: Was fasziniert Sie an Weinen am meisten?
Christian Weisenstein: Es ist ihre unglaubliche Vielfalt. Da erwacht der Entdecker in mir. Ich möchte verstehen, warum Weine so sind, wie sie sind. Beispiel: Wie kommt ein Yoghurt-Aroma in den Wein? Es liegt an der malolaktischen Gärung, auch biologischer Säureabbau genannt. Unter bestimmten Bedingungen wandelt sich die schärfer wahrgenommene Apfelsäure in die mildere Milchsäure. Es macht Spaß, solches Wissen zu vermitteln.

TOP: Wodurch unterscheiden Sie sich von anderen Anbietern wie Sommeliers?
Christian Weisenstein: Meine Empfehlungen sind 100 Prozent neutral, da ich selbstständig arbeite und nicht an das Angebot einer Weinhandlung gebunden bin. Bei mir bekommen Sie keine trockene Theorie, sondern ein an Informationen gekoppeltes Genusserlebnis. Ein klassischer Maître Sommelier mit Fliege, stocksteif und ohne Lächeln? Das passt nicht zu meiner Pfälzer Frohnatur!

TOP: An wen richten sich Ihre Angebote?
Christian Weisenstein: Erstens an Firmen- und Privatkunden für Feierlichkeiten wie Mitarbeiterevents oder Geburtstage. Eine Weinverkostung kann individuell gestaltet werden und auch alkoholfreie Sorten beinhalten. Zweitens an ein fachbegeistertes Publikum. So biete ich bei der Familienbildungsstätte Ulm Weinverkostungen zu Themen wie „Wein & Schokolade“ oder Wein-Sensorik Seminare an. Drittens richte ich mich auch an die Gastronomie, sowohl beratend, als auch bei der Durchführung von Weinabenden. Daneben erhält man bei mir Gutscheine für Weinabende als Genuss-Geschenk. Gerne auch für Weinerlebnisse beim Kunden zuhause.

TOP: Können Sie uns einen wichtigen Weintrend verraten?
Christian Weisenstein: Naturweine sind in Großstädten bereits ein Riesentrend. Sie schmecken komplexer, fülliger, sind ungefiltert, enthalten daher mehr antioxidative Pflanzenstoffe. Auf einer Weinreise nach Georgien, dem Ursprungsland der Amphoren-Weine, habe ich mich viel mit diesem Thema befasst. Die Amphoren werden zur Gärung einfach im Boden vergraben, danach der Tresterhut abgeschöpft, das war’s. Dieses „kontrollierte Nichtstun“ bringt interessante Aromen hervor. Ich habe eine Sorte probiert, die regelrecht nach Gülle gerochen, aber erstaunlich gut geschmeckt hat. (lacht)

TOP: Als Weinexperte sind Sie also viel unterwegs …
Christian Weisenstein: Es ist besser, sich vor Ort mit Kulturtraditionen des Weins vertraut zu machen. Auch der Besuch von Weinmessen gehört zu meiner Tätigkeit. Viele sind erstaunt, wenn Sie erfahren, dass ich dabei bis zu 60 Weinsorten pro Tag verkoste – inklusive Pausen, Wasser und Häppchen. Bei einer privaten Weinverkostung sollten es sechs, maximal acht Weine sein, damit die Besucher die dazugehörigen Aromen abspeichern können.

TOP: Vielen Dank für diese interessanten Einblicke in Ihr Weinmaleins des Wissens! dwi 

Fotos: privat

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